Donnerstag, 24. März 2011

Nachtgedanken

Es ist noch nicht Zeit, zu Bett zu gehen, aber ich habe mich doch entschlossen, schon jetzt meine Nachtgedanken zu schreiben.
Ich habe heute eine DVD mit dem Titel "Der Mensch" gesehen. Es handelt sich um eine dreiteilige Serie der BBC, von der ich allerdings schon zwei Teile gesehen habe, bevor ich meinen Weblog eröffnet habe. In dem letzten Teil ging es um das Sterben, ein Thema, das heute gerne verdrängt wird.
Dieser Teil zeigt, wie ein schwer Krebs kranker Mann stirbt. Er hatte sich bereit erklärt, sein Sterben filmen zu lassen. Seine Frau und er lebten in England in einem kleinen Haus auf dem Lande. Nach einem Zusammenbrach kiess ihn seine Frau in ein Krankenhaus einliefern, wo die Ärzte bei ihm eine tödliche Krebsgeschwulst im Magen diagnostizierten und ihm nur noch wenig Zeit zum Leben gaben. Er kam in sein Haus zurück; ein Arzt, eine Krankenschwester und seine Frau betreuten ihn. Damit er keine Schmerzen litt, erhielt er Schmerz lindernde Arzneien. Mit diesen Arzneien konnte er mehrere Monate leben, spazieren gehen, Weihnachten und Silvester feiern. Dann ging es allmählich zu Ende, bis er starb. Der Film zeigte, dass der Tod nicht nur ein biologischer, zum Leben gehörender langsam ablaufender Prozess ist, sondern dass der Mensch sich mit dem Tod beschäftigen und ihn annehmen muss, um friedlich und zufrieden sterben zu können.
Ich fand diesen Film sehr einfühlsam, weil er den Tod nicht verdrängt. Meine verstorbene Frau und ich waren 2000 in Salzburg und haben dort den Friedhof Sankt Peter besucht, wo Mozarts Frau begraben ist. Auf diesem Friedhof waren viele Gräber, in denen sehr jung verstorbene Menschen begraben waren. Vor gar nicht einmal so langer Zeit starben die Menschen sehr jung, weil die Geburtshilfe noch  nicht so weit war wie heute oder weil es für viele Krankheiten keine Medikamente gab. Mit anderen Worten, der Tod gehörte zum Leben. Das haben viele Leute heute vergessen.
Ich habe meine Frau, als sie 56 Jahre alt war plötzlich durch einen Gehirnschlag verloren, und hatte keine Zeit, mich auf ihren Tod vorzubereiten. Es war furchtbar, weil wir im Todesjahr 25 Jahre verheiratet waren und bis zu ihrem Tod immer alles zusammen unternommen hatten. Der Tod hinterliess eine furchtbare Lücke, die niemand mehr schliessen kann. Ich kann reisen, lesen, Musik hören oder Weblog schreiben, aber keine Tätigkeit kann mir meine Frau ersetzen. Diese Tatsache muss ich akzeptieren. Bis ich sie begriffen habe, sind mittlerweile fast vier Jahre vergangen. Trotzdem gibt es immer noch Momente, wo  mich der Tod meiner Frau bedrückt.
Wenn ich darüber schreibe, erleichtert mich das. Das Schreiben ist ein hilfsloses Mittel, aber besser als keines.

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