Samstag, 27. August 2011

Nachtgedanken

Nachdem ich länger keine Nachtgedanken mehr geschrieben habe, werde ich in zwangloser Folge wieder Gedanken formulieren. Ich fühlte mich leer, so dass ich darauf verzichtet habe, irgendwelche Gedanken niederzuschreiben. Jetzt nachdem ich Marcel Proust "Auf der Suche nach der verlorenen Zeit" höre, regt mich das Gehörte an, wieder zu schreiben. Große Literatur vernalaßt den Hörer, sich mit ihr auseinanderzusetzen. Marcel Proust ist ein Chronist des ausgehenden 19. Jahrhunderts und des beginnenden 20. Jahrhunderts. In ihm spiegeln sich die großen Pariser Salons, die Kunst Sarah Bernardts oder die Dreyfuss Affäre. Die Kunst der Konversation erwacht wieder zum Leben. Kurz, es handelt sich um eine Atmosphäre, wie es sie heute nicht mehr gibt. Heute wird viel geredet und geschrieben, aber meistens ohne Substanz. Es fehlt die Zeit, sich mit einem Thema eingehend zu beschäftigen. Viele haben nicht den Mut, sich die Zeit zu nehmen.
Ich habe jetzt die Zeit. Es ist herrlich, sich einem Thema so lange widmen zu können, wie ich es möchte.  Diese Freiheit möchte ich nicht mehr missen.
Genauso angenehm ist es, sich nicht mehr mit Freunden und Bekannten abgeben zu müssen, die sich nur noch sporadisch melden. Dabei kann ich viele Freunde und Bekannte verlieren, aber dafür gewinne ich persönliche Unabhängigkeit. Lieber wenige Freunde, aber dafür solche, auf die ich mich verlassen kann.
Ich genieße es, abends Musik oder Hörbücher zu hören und dazu Weinschorle zu trinken. Meine Wunschvorstellung war es, als Rentner mich meinen Hobbies widmen zu können. Diese Vorstellung habe ich erfüllen können, leider ohne meine Frau, weil sie zu früh verstorben ist. Ich habe bis jetzt nicht das Bedürfnis, eine neue Frau kennenzulernen. Warum? Ich war im Todesjahr meiner Frau mit ihr 25 Jahre verheiratet. Wir haben alles zusammen unternommen. Stirbt dann die Frau, fällt es sehr schwer, sich an einen neuen Partner zu gewöhnen.
Manche Gedanken finden sich bestimmt schon in anderen meiner Nachtgedanken. Es wird sich nicht vermeiden lassen, dass sich Gedanken wiederholen. Deshalb schreibe ich nur noch in zwangloser Reihenfolge.

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