Montag, 2. Januar 2012

Santarèm / Brasilien

Da das Schiff heute Spätnachmittag in Santarèm anlegt, gibt es bereits ein Hafeninfo. Darin heißt es:
"Die "Perle des Rio Tapajos" - so der Beiname Santarèms - liegt auf halbem Weg zwischen Belèm und Manaus am Amazonas im Norden Brasiliens. Sie ist die wichtigste Stadt im Osten der Region Parà und zählt rund 277.000 Einwohner. Die Stadt erstreckt sich auf einer Fläche von 28.058 Quadratkilometern. Das Amazonasdelta im Norden Brasiliens ist eines der faszinierendsten Ökosysteme der Welt, und Santarèm liegt mittendrin. Amazonien nimmt fast die Hälfte der gesamten Landesfläche ein, ist damit zehnmal größer als Deutschland und ein Gebiet der Superlative. Das beginnt bereits mit dem Amazonas selbst, der mit seiner Gesamtlänge von 6.992 Kilometern  inzwischen vor dem Nil mit 6.670 Kilometern  als längster Fluss der Welt gilt. Gleichzeitig ist er der wasserreichste Strom der Erde, hat um die 10.000 Nebenflüsse und 50.000 Kilometer schiffbare Strecke. 1.500 Vogelarten, ebenso viele Fischarten und 60.000 Pflanzenarten lassen erahnen, welch Gedränge in den Tropenwäldern Amazoniens herrscht. Es gibt 2.500 unterschiedliche Baumarten, die bis zu sechs Stockwerke hinauf wachsen und von denen nicht selten 60 Meter lange Lianen hinabhängen. Auf einem Quadratkilometer Tropenwald wachsen in Amazonien mehr Pflanzenarten in ganz Europa. Das sind einige Zahlen, die nur einen kleinen Eindruck der Dimensionen dieses Naturparadieses wiedergeben. 

Sehenswürdigkeiten
Zwei Ströme Seite an Seite

Santarèm ist eine der ältesten Siedlungen im gesamten Amazonas Becken. Urwälder, Seen und Flussarme prägen das Landschaftsbild. Das imposanteste Naturschauspiel Santarèms liegt jedoch vor den Toren der Stadt und ist als Encontro das Aguas bekannt. Hier mündet der klare, blaugrüne Rio Tapajos in den braunen Amazonas. Doch die beiden Flüsse vermischen sich nicht sogleich. Aufgrund unterschiedlicher Temperaturen fließen sie etwa sechs Kilometer nebeneinander her. Vom Flussufer aus lassen sich die Ströme klar voneinander unterscheiden. Den besten Blick darauf hat man vom Mirante Tapajos an der Rua Colonel Joaquim Braga.
Bevor die Europäer kamen, war der Ort Hauptsitz des großen Tapajòs Indianerstammes. Eine kleine Sammlung aus Stein- und Tonwaren sowie Urnen und religiöse Figuren der Indianerkultur zeigt das Museu de Santarèm. Dieses riesige Herrenhaus wurde 1867 errichtet und diente bereits als Gefängnis, Rathaus und Gerichtsgebäude. Sehenswert sind die Fresken an den Innenwänden, die der brasilianische KünstlerJoao Fona gestaltet hat. Außerdem informiert das Museum mit Dokumenten und Gemälden über die Zeit der Stadtgründung. Ein Museum der außergewöhnlichen Art ist das von Dona Dica Fraza. Mehr als 50 Jahre hat die ehrwürdige Dame Frauenkleider und Stoffe aus Naturmaterialien wie Gräser und Holz angefertigt. Diese sind nun in ihrem Museum ausgestellt. Darunter auch ein Kleid für eine belgische Königin sowie eine Tischdecke für Papst Johannes Paul II. Ebenso interessant ist der Besuch in einer kleinen Hängematten Fabrik. Während einetr Führung kömnnen Sie bei der Produktion zusehen. Die Stoffe werden auf alten mechanischen Handwebstühlen hergestellt und dann von Hand weiterverarbeitet. Ein Blick in die Markthalle lohnt sich in Brasilien immer. Auch in Santarèm vermitteln die Waren auf den Verkaufsständen ihren exotischen Reiz. Riesige Fische aus dem Amazonas wie etwa der Pirarucu, der größte Süßwasserfisch der Erde, liegen zum Verkauf bereit. Die Schuppen eines solchen Prachtexemplars sind übrigens handtellergroß. Die kleine blaue Kirche Igreja Matriz stammt aus dem Jahr 1761 und wurde an der gleichen Stelle errichtet, an der schon die erste Kirche Santarèms stand. Sie wurde 1661 noch aus Palmwedeln gebaut. .... 

Historischer Rückblick
Seit tausenden Jahren ist das Gebiet am Rio Tapajòs schon besiedelt. Eine erste europäische Missionsstation wurde dort 1661 gegründet. 1758 erhielt die Ansiedlung offiziell den Namen Santarèm. Ihre Blütezeit erlebte die Stadt wie so einige andere in der Amazonas Region mit dem Kautschuk Boom. Die von den Indianern "tränendes Holz" genannten Kautschuk Bäume  gab es zur Zeit der Erfindung des Gummis nur in Brasilien. Zwar spielte vermutlich schon die Urbevölkerung um 1600 vor Christus mit Gummibällen, doch kannten sie natürlich das Verfahren der Vulkanisation noch nicht, durch das der Kautschuk so elastisch wird. Als Charles Goodyear dieses Verfahren 1839 entdeckte, gab es einen regelrechten Ansturm, weil der Rohstoff nun auf die vielfältigste Weise genutzt werden konnte. Ein Kautschuk Baum kann übrigens 165 Mal im Jahr angezapft werden. Gönnt man ihm dann sechs Jahre Ruhe, kann erneut geerntet werden. Von der Nachfrage nach Kautschuk profitierte auch Santarèm. So ließ Henry Ford etwa 200 Kilometer südlich die erste Gummibaum Plantage Amazoniens entstehen. Der Amerikaner hatte mit seiner Fazenda Fordländia aber wenig Glück.
In den fünfziger Jahren setzte zudem ein Goldrausch ein, der den Städten am Amazonas weiteren Aufschwung brachte. Goldverarbeitung und Kautschuk Export gehören noch immer zu den Haupteinnahmequellen der Stadt. Die Menschen leben aber auch von der Viehzucht, dem Verkauf von Paranüssen und der Textilindustrie. Außerdem gibt es in der Region reiche Bauxit Vorkommen.

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