Freitag, 29. April 2011

Brasilien: Nebenwirkungen des Booms

Das Bruttoinlandsprodukt Brasiliens erreichte 2010 2090 Mrd. $, ein Anstieg von 7, 5 Prozent. Die Agrarwirtschaft, die Industrie und der Dienstleistungssektor legten zu. Die brasilianischen Privathaushalte, Profiteure von steigenden Löhnen und einem hohen Beschäftigungsgrad, treiben das Wachstum an. Die wachsende Mittelschicht des Landes kauft Güter des täglichen Lebens bis hin zu Immobilien. Der private Konsum legte 2010 um 7 Prozent und die gesamte Binnennachfrage um 8, 2 Prozent zu.
Immer stärker treten die Nebenwirkungen des Wachstums in den Vordergrund. Der Anteil der Investitionen am Bruttoinlandsprodukt lag immer unter 20 Prozent, ein deutlicher Rückstand gegenüber China und Indien. Strukturelle Probleme im Energie- und Transportsektor verlangsamen das Wachstum der Wirtschaft, die kaum mehr die heimische Nachfrage decken kann.
Die Lücke zwischen Wachstum und Binnennachfrage treibt die Inflation an. Mitte April 2011 betrug sie 6, 44 Prozent, deutlich über dem von der regierung angestrebten Mittelwert von 4, 5 Prozent und nahe an der festgelegten Obergrenze von 6, 5 Prozent. Nach Meinung von Experten kann die Inflation bis August 2011 auf 7, 5 Prozent steigen  und erst Ende 2012 auf 5 Prozent sinken. Um die Teuerung zu bekämpfen, will die Regierung die Finanzsteuer für Kredite verdoppeln und den Haushalt kürzen.
Die Zentralbank hat in den letzten Monaten die Zinsen erhöht. Weitere Zinsschritte werden folgen. Die hohen Zinsen ziehen ausländisches Kapital an, so dass der Real weiter aufwertet. Der starke Real verbilligt die Importe, so dass der Inflationsdruck nachlässt.
Die steigende Inflation verlangsamt das Wachstum nach Prognosen auf zwischen 4 und 4, 3 Prozent. Das wäre für die Wirtschaft gut.

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