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Sonntag, 25. Dezember 2011

Praia / Santiago

Das Schiff liegt im Hafen von Praia auf der Insel Santiago. Im Gegensatz zu gestern ist das Wetter heute sonnig und warm. Im Hafeninfo heißt es:
"Prai auf der Insel Santiago ist mit 110.000 Einwohnern die Hauptstadt der Kapverdischen Inseln. Die Kapverden bestehen aus 15 Inseln, davon neun bewohnten, die im Zentralatlantik 460 Kilometer vor der westafrikanischen Küste liegen. Als größte Stadt ist Praia auch politisches und wirtschaftliches Zentrum des Landes. Praia liegt auf Santiago, der mit 991 Quadratkilometern größten und abwechslungsreichsten Insel des Archipels. Sie gehört zu den so genannten Ilhas de Sotavento, den südlichen Kapverdischen Inseln. Höchster Berg ist der Pico de Antonio (1.394 Meter). Santiago ist stark afrikanisch geprägt, denn einst war diese Insel Drehscheibe des weltweiten Sklavenhandels. Viele Einwohner haben deshalb afrikanische Vorfahren. 

Sehenswürdigkeiten
Afrikanisches Flair mit europäischem Ambiente

Eine Stadt auf mehreren Ebenen, eine Stadt mit vielen Gesichtern: Praia ist ein Schmelztiegel jener Kulturen, die die Kapverdischen Inseln seit der Entdeckung vor mehr als 500 Jahren geprägt haben. Angelegt von europäischen Kolonialisten und beeinflusst von vielfältigen Handelsbeziehungen zu Nord- und Südamerika schlägt das Herz der Stadt trotzdem im afrikanischen Takt. Wenn Sie diesen Rhythmus aufnehmen wollen, sollten Sie dem Lebensmittelmarkt in der Altstadt, gelegen auf dem nur 500 Meter langen  und 300 Meter breiten Plato, unbedingt einen Besuch abstatten. Kunterbunt geht es hier zu und mitunter sogar ein wenig turbulent, wenn Obst, Gemüse und Kräuter, aber auch Geflügel und Fische - Lebend versteht sich - den Besitzer wechseln. Das Angebot ist frisch, reichhaltig und vielfach auch exotisch. Afrika lässt grüßen. Ansonsten trägt die Oberstadt mit den breiten Straßen im Schachbrettmuster und großzügig angelegten Plätzen deutlich die Handschrift der Portugiesen und Engländer. Sie hatten ja auch Anfang des 19. Jahrhunderts das Sagen, als das Zentrum komplett umgestaltet wurde. Heute leitet von Praia aus der Landespräsident der Kapverden die Geschicke der Inselrepublik. Er residiert im Alten Präsidentenpalast, einem schönen Bau im kolonialen Stil. Er wurde Ende des 19. Jahrhhunderts für den damaligen Gouverneur gebaut. Ebenso prächtig wie der Palast ist der herrlich gepflegte Garten, der allerdings nicht betreten werden darf. Das haben die uniformierten Wächter aus der nahen Kaserne Jaime Mota, der früheren Altstadtfestung Bateira, sehr genau im Blick. Zwischen beiden Gebäuden finden Sie mit dem Denkmal des Inselentdeckers Diego Gomes den besten Aussichtspunkt. Sie können den Stadtstrand Praia Gamboa und die wunderschöne Hafenbucht mit dem unbewohnten Inselchen Santa Maria erspähen.

Schöne Häuser im Kolonialstil
Zentraler Platz des südlichen Altstadtviertels ist die stattliche Praca Alexander Albuquerque, ein beliebter und stest blumengeschmückter Treffpunkt. Der große Pavillon wird für kulturelle Darbietungen aller Art benutzt. Musik und Tanz, die dem kreolischen Lebensstil entsprechen, führen dabei die Beliebtheitsskala an. Einige der schönsten Häuser Praias finden Sie an diesem schönen Platz. Das alte Rathaus mit klassizistischer Fassade und auffälligem Glockenturm gehört ebenso dazu wie die Igreja de Nossa Senhora de Graca, eine schlichte, im Kolonialstil gehaltene Kirche aus dem 19. Jahrhundert. Aus architektonischer Sicht ebenso interessant sind die alten Häuser an der Hauptgeschäftsstrasse des Platos, der Avenida Amilcar Cabral. Zu nennen sind vor allem der Justizpalast, das alte Warenhaus Adega und das französische Kulturzentrum mit dem gemütlichen Innenhof. Auch der ruhigere nördliche Teil  des Plato Viertels hat seinen zentralen Platz. Die Praca Luis des Camoes vor dem Außenministerium wirkt mit ihren vielen Bäumen wie ein kleiner Stadtpark. Das türkisfarbene Gotteshaus ist die Kirche der Nazarener, einer christlichen Gemeinschaft, die im 19. Jahrhundert  auf den Kapverden viele Anhänger fand. Ein auffälliges Flachrelief erinnert an der Praca Domingos Ramos an die portugiesischen Entdecker. Dort steht mit dem 2009 renovierten Lyzeum auch die älteste weiterführende Schule der Stadt. Das Ethnographische Museum in der Rua 5 de Julho bietet vielfältige Informationen zur Geschichte Praias. Gezeigt wird hier unter anderem auch, wie die berühmten Panos hergestellt werden, jene rund 15 Zentimeter breiten Tuchstreifen, die in den Zeiten des Sklavenhandels als Währung dienten.

Marktplatz der Möglichkeiten
Wenn sie in der Altstadt Gefallen an der afrikanischen Art des Handels gefunden haben, wird Ihnen am Fuße des Platos der Mercado de Sucupira gefallen. Das eingezäunte Marktgelände erinnert mit engen, verschlungenen Wegen im Inneren an einen orientalischen Basar, einen Souk. Angeboten wird hier alles, was Sie sonst in Kaufhäusern vermuten würden - Textilien, Schuhe, Schmuck sowie Drogerieartikel, aber auch Möbel und andere Einrichtungsgegenstände. Natürlich kommt das leibliche Wohl hier nicht zu kurz. Da wird der Besuch zum Genuss. Auf dem Weg in das Ausgehviertel der Stadt, Achada Santa Antonio auf einer Hochebene, ist der Regierungspalast gegenüber dem Fußballstadion nicht zu übersehen. Das reichlich überdimensioniert wirkende Parlamentsgebäude zwischen Achada Santo Antonio und dem Villen- und Botschaftsviertel Prainha ist sehr wuchtig geraten. Prainha heißt "kleiner Strand", und den gibt es hier tatsächlich. Deshalb trägt dieser Bezirk, an dessen Hauptstraße Rua de 19 Maio viele elegante Villen und feine Gärten zu sehen sind, diesen Namen. Vom Strand aus ist der einsame Leuchtturm auf der Landzunge Punta Temerosa gut auszumachen. Er bildet die südliche Begrenzung der natürlichen Hafenbucht. .......

Historischer Rückblick
Santiago wurde am 03.05.1460 entdeckt - so viel steht fest. Ob tatsächlich Antònio da Noli aus Genua als erster Europäer seinen Fuß auf die Insel gesetzt hat, lässt sich auch heute nicht mit letzter Gewissheit sagen. Neue Forschungen legen nahe, dass da Noli lediglich bei der Rückfahrt nach Portugal der Schnellste gewesen sei und sich deshalb den ersten Ruhm verdient habe. Vor dem Italiener soll aber bereits Diego Gomes die Insel betreten haben. Deshalb wird der Portugiese auf dem Plato auch mit einem Denkmal geehrt. Wie dem auch sei: Der König vermachte beiden gemeinsam die Insel als Lehen. Auch dabei hatte Gomes das Nachsehen: Während der Norden, den er bekommen hatte, nichts einbrachte, prosperierte da Nolis Südhälfte mit dem 1462 gegründeten Ribeira Grande. Schnell wurde die Stadt zu einer der bedeutendsten Drehscheiben im internationalen Sklavenhandel. Bereits 1466 erhielt sie das königliche Monopol für den Sklavenhandeln in Afrika. 1533 wurde Ribeira Grande Hauptstadt der Kapverden und im gleichen Jahr auch Bischofssitz. 1712 begann aber der Niedergang, als der französische Pirat Jacques Cassard die Stadt zerstörte. Nun wurde Praia immer wichtiger, erhielt 1858 auch das Stadtrecht. Im 19. Jahrhundert lief Mindelo  auf der Insel Sao Vicente jedoch Praia als wirtschaftliches Zentrum des Archipels den Rang ab. Seit die Republik Kapverden 1975 allerdings ihre Unabhängigkeit von der früheren Kolonialmacht Portugal erhielt, ging es langsam aber sicher auf Santiago wieder voran. Noch immer erinnern die Randviertel an die Favelhas in Südamerika und sind wenig ansehnlich, aber im Zentrum geht es inzwischen ebenso lebhaft zu wie in jeder anderen Großstadt. Wirtschaftlich profitieren Stadt und Insel vor allem von der Stellung  als Hauptstadt, Regierungs- und Verwaltungssitz. Außerdem ist Santiago dank der fruchtbaren Hochebenen das landwirtschaftliche Zentrum der gesamten Inselgruppe.

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