Der Finanzchef von Thyssen Krupp Steel Europe äußerte sich in Rotterdam zu den Erzpreisen. Nach seinen Worten blieben die Erzpreise im dritten Quartal 2011 stabil, nachdem sie auf 175 Dollar je Tonne gestiegen waren. Erst 2014 können die Erzpreise wieder sinken.
Die konkret absehbaren Investitionen lassen die Bergbaukapazitäten in den nächsten drei bis vier Jahren um rund 650 bis 800 Mill. Tonen Eisenerz wachsen.
Die drei größten Erzproduzenten, Vale, Rio Tinto und BHP Billiton, zwangen den Stahlhütten im April 2010 eine Verkürzung der Vertragslaufzeiten von einem Jahr auf drei Monate auf. Seit dieser Maßnahme verteuerte sich Eisenerz um mehr als 100 Dollar je Tonne. Bei einem Anstieg der Kapazitäten geht der Finanzchef von einem Preisrückgang um 20 oder 30 Dollar aus.
Im zurückliegenden Jahrzehnt stiegen die Preise für Energie und Rohstoffe auf einen Anteil von 77 Prozent der Produktionskosten. Der Spielraum für Einsparungen bei den übrigen Kosten ist gering. Deshal versuchen Thyssen Krupp und die anderen Stahlproduzenten, die Rohstoffkostenschübe über ihre Preise an ihre Kunden weiterzugeben.
Thyssen Krupp ist bestrebt, Jahresverträge nur noch mit einer flexiblen Rohstoffkomponente abzuschließen. Große Stahlkunden wie die Autohersteller sperren sich dagegen. Thyssen Krupp geht verstärkt zu Halbjahresverträgen über. Bei längeren Laufzeiten handelt man die Preise nach einem halben Jahr automatisch aus.
Wegen des erheblich steigenden Rohstffanteils an den Gesamtkosten will Thyssen Krupp seine Rohstoff - Lieferkette verbessern. Rotterdam, Europas größter Tiefseehafen, bildet für Thyssen Krupp die Drehscheibe der aus Amerika, Australien und Afrika bezogenen Erze und Kohle. Von grundsätzlicher Bedeutung ist, ob der Werkstoff nahe den Rohstoffvorkommen geschmolzen und zu den Weiterverarbeitungsbetrieben nach Europa transportiert wird oder die für eine Tonne Stahl erforderliche doppelte Rohstoffmenge zu den Erzhütten nach Europa gebracht wird.
Früher produzierte Thyssen Krupp Stahl in Duisburg. Wegen der zunehmenden Zahl von Abnehmern im Nafta - Raum brach Thyssen Krupp erstmals mit dieser Strategie. Die neue Hütte in Brasilien soll 3 Mill. Tonnen Rohstahl in Form von Brammen zur Verarbeitung nach Alabama im Süden der Vereinigten Staaten und den Rest nach Deutschland liefern. Thyssen Krupp hat im Rotterdamer Hafen Europort Kapazitäten für den Umschlag von 2 Mill. Tonnen Brammen geschaffen. Der Umschlag von Thyssen Krupp in Rotterdam beträgt jährlich 24 Mill. Tonnen Eisenerz. Eigene Schubverbände transportieren den Rohstoff nach Duisburg.
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