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Dienstag, 23. August 2011

Aufwertung des Schweizer Franken und Folgen für das Schweizer Auslandvermögen

Schock für den Exportsektor und Milliardenverluste für die Schweizerische Nationalbank beschreiben die Folgen der starken Aufwertung des Schweizer Franken. Unbemerkt bleiben die gleich großen Wechselkursverluste auf das Schweizer Auslandvermögen. Ende März 2011 hatte die Schweiz Vermögen und Guthaben von insgesamt 3100 Mrd. Franken im Ausland, insbesondere in Form von Wertpapieren, Firmentöchtern und Krediten im Gegensatz zu Währungsreserven der Schweizerischen Nationalbank von weniger als 10 Prozent. Ausländer haben in der Schweiz von 2300 Mrd. Franken. Demnach beträgt das Schweizerische Nettoauslandvermögen rund 800 Mrd. Franken.
Die Wechselkurse sind deshalb wichtig, weil etwa vier Fünftes des Schweizer Auslandvermögen  auf Fremdwährungen, aber nur etwa zwei Fünftes des ausländischen Vermögens in der Schweiz auf Fremdwährungen lauten. Die Aufwertung des Schweizer Franken in den letzten anderthalb Jahren senkte den Wert des Schweizer Nettoauslandvermögen massiv. Nach Schätzungen aufgrund von Statistiken der schweizerischen Nationalbank belaufen sich die Wechselkursverluste seit Anfang 2010 auf insgesamt 350 bis 400 Mrd. Franken, wobei knapp 150 Mrd. Franken auf Eurowerte und rund 100 Mrd. Franken auf Dollarwerte entfallen.
Trotz der jüngsten Aufwertung des Schweizer Franken entsprechen Wechselkursverluste auf Schweizer Auslandvermögen vor allem bei Vermögen im Dollarraum einem langfristigen Trend. Auch gegenüber dem Euro und seinen Vorgängerwährungen gewann der Schweizer Franken langfristig an Wert.
In der Regel gleichen Zins- und Renditedifferenzen der Kapitalanlagen langfristige Wechselkurstrends aus. In den vergangenen Jahrzehnten traf dieser Ausgleich bei Schweizer Auslandvermögen nicht unbedingt zu. Von 2000 bis Ende 2010 exportierte die Schweiz Kapital von netto rund 550 Mrd. Schweizer Franken, wobei sich das Nettoauslandvermögen nur um etwa 250 Mrd. Schweizer Franken erhöhte. Die Differenz von 300 Mrd. Schweizer Franken beruhte neben statistischen Unebenheiten auf Wechselkursverlusten. 
Bei dem in den Statistiken der Schweizerischen Nationalbank ausgewiesenen Auslandvermögen ist zu berücksichtigen, dass bei den Direktinvestitionen (großen Firmenbeteiligungen) Buchwerte und nicht Marktwerte zugrunde liegen. Steigerungen des Marktwertes können den Wert einer Direktbeteiligung erhöhen. 
Nach einer Studie der Europäischen Zentralbank erzielten Schweizer Auslandvermögen von 1981 bis 2007 eine durchschnittliche jährliche Nettorendite von - 1, 3 Prozent, ohne dass das Ergebnis statistisch genügend erhärtet ist. Nettorendite ist die Gesamtrendite auf Auslandvermögen (Kapitalerträge plus Wertveränderungen) abzüglich der prozentualen Aufwendungen für die Auslandschulden.

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