Anfang der vorbezeichneten Börsenwoche schienen sich die Aktienmärkte zu beruhigen. Die Ruhe war trügerisch: denn die Kurse sanken rasant. Allein am Freitag, den 19.08.11, erreichte der DAX im Handelsverlauf den tiefsten Stand seit November 2009, ein Ausverkauf wegen der Sorgen um die Weltwirtschaft und das europäische Bankensystem.
Die Anleger hofften auf weitere Fusionen und mögliche Kurssteigerungen an den Aktienmärkten nach der Ankündigung des Internetkonzerns Google, für 12, 5 Mrd. Dollar die Mobilfunksparte von Motorola zu übernehmen. Anstelle von Unternehmensmeldungen interessierten sich die Anleger nur noch für die Konjunktur.
Deutschland, Europas größte Volkswirtschaft, erzielte im zweiten Quartal 2011 ein minimales Wachstum. Es gibt Anzeichen für eine weltweit nicht so gut laufende Konjunktur: schwaches Wachstum im Euroraum und in den Vereinigten Staaten, die Schuldenkrise in Europa und den Vereinigten Staaten und der Ankauf von Staatsanleihen von krisengeplagten Euroländer im Wert von 22 Mrd. Euro in der vergangenen Börsenwoche, der höchste Wochenwert seit Mai 2010. Diese Tatsache allein beweist den Ernst der Lage im hochverschuldeten Europa.
Investoren stoßen wie schon seit einiger Zeit in großem Stil Aktien ab, um Kursgewinne zu realisieren. Sie lassen dabei außer Acht, dass sich in den vergangenen zwei Jahren vor allem auch in Deutschland üppige Gewinne erzielen ließen. Wegen der Kursverdoppelung in diesem Zeitraum sahen viele ausländische Anleger den deutschen Aktienmarkt als lohnende Geldanlage an. Die sehr niedrigen Leitzinsen der Notenbanken stellten viel billiges Geld zur Verfügung. Dieses Geld floß in die Aktienmärkte.
Auf lange Sicht lohnt sich die Aktie für Privatanleger als Geldanlage. Bei nicht nur stark schwankenden, sondern rapide sinkenden Aktienkursen ziehen sich die Privatanleger vom Aktienmarkt zurück. Aktien machen einen immer geringer werdenden Anteil in den Depots der deutschen Anleger aus. Wegen der geringen Anzahl von Privatanlegern und von institutionellen Anlegern nimmt die Dominanz ausländischer Aktionäre an den im DAX notierten Unternehmen zu.
Die im März 2009 begonnene Hausse ist zu Ende. Nach dem erstmaligen Stopp seiner Talfahrt vor zehn Tagen behauptete sich der DAX mehrmals oberhalb von 5500 Punkten und stieg sogar bis auf 6100 Punkte. Die Kursstürze vom Donnerstag und Freitag beendeten die Entwicklung.
Für den besonders starken Kurseinbruch des DAX sorgt die besondere Konjunkturempfindlichkeit des Index. Der Anteil von der Wirtschaftsentwicklung abhängenden Unternehmen ist größer als in anderen europäischen Aktienindizes.
Der SMI endete von Montag, den 15.08.11, bis Mittwoch, den 17.08.11, jeweils im Plus. Am Donnerstag fielen die Kurse. Bis Freitagnachmittag sank der Index auf Wochensicht um rund 2, 1 Prozent. Roche lag leicht im Plus.
Gewinner / Verlierer
- Leoni AG + 7, 28 %
- Roche GS + 2, 13 %
- Euro in Dollar + 0, 6 %
- Thyssen Krupp - 7, 5 %
- SAP - 5, 5 %
- MDAX - 4, 3 %
- Deutsche Bank - 4, 0 %
- DAX - 3, 4 %
- SMI - 2, 1 %
- Nestlè - 1, 22 %
- Allianz SE - 1, 20 %
Unter den Indizes schnitt der SMI wegen der starken Gewichtung seiner defensiven Titel am besten ab. Auch der DAX hielt sich angesichts des Kurssturzes beachtlich. Wegen der konjunktursensiblen Titel verlor der MDAX am stärksten. Die Leoni AG war eine positive Überraschung.
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