Nach Statistiken verringerte sich seit 2003 die Zahl der Armen um 28 Millionen. Der Anteil der Kleinkinder mit einem für Unterernährte typischen Wachstumsrückstand ging zwischen 1996 und 2009 von 13, 4 auf 6 Prozent zurück. Die Kindersterblichkeit nahm zwischen 1990 und 2008 von 53, 7 auf 22, 8 Promille ab.
Brasilien wird den Anteil der Hungernden an der Bevölkerung und der in extremer Armut lebenden Menschen zwischen 1990 und 2015 halbieren. Brasiliens Fortschritte hängen mit dem wirtschaftlichen Aufschwung und vor allem dem politischen Willen, insbesondere von dem früheren Präsidenten Lula da Silva, zusammen. Nach seinem Wahlversprechen sollte kein Brasilianer hungern. 2003 nach seiner Wahl rief er das Programm Fome Zero ("Null Hunger") ins Leben. 2004 errichtete er das Ministerium für soziale Entwicklung und Hungerbekämpfung zur Koordinierung einer Reihe von Sozialprogrammen. Das Budget dieses Ministeriums stieg in acht Jahren von 11, 4 auf 38, 6 Mrd. Real (rund 19 Mrd. Euro).
Vor Lula gab es Programme zur Hungerbekämpfung auf lokaler, regionaler und nationaler Ebene. Fome Zero kombinierte funktionierende Projekte und weitete sie aus. Im Ergebnis führte das zu über 30 nationalen Programmen zur Verbesserung des ZUgangs zu Nahrungsmitteln und zum Entstehen von Produktionsanreizen von Kleinbauern. Die Regierung gab zwischen 2003 und 2009 2, 7 Mrd. Real (rund 1, 35 Mrd. Euro) für den Kauf von rund 2, 6 Mio. Tonnen Lebensmitteln in 2300 Gemeinden aus.
Das Flaggschiff von Fome Zero ist Bolsa Familia ("Familien Stipendium"). Das Programm sichert armen Familien ein minimales Einkommen und damit den Zugang zu Lebensmitteln. Mütter bekommen 22 bis 200 Real pro Monat, abhängig von der Anzahl der Kinder und dem Monatseinkommen der Familie, das 140 Real (rund 70 Euro) nicht übersteigen darf. Im Gegenzug verpflichten sich die Mütter, ihre Kinder zur Schule zu schicken. 12, 8 Millionen Familien sind aktuell Nutznießer von Bolsa Familia. 2010 verursachte das Programm Kosten von 13, 4 Mrd. Real (rund 6, 7 Mrd. Euro). Nach Studien führte das Programm zu einem wesentlichen Rückgang der Armut und Unterernährung bei einer gleichzeitigen Erhöhung der Schulzeit. Vor zehn Jahren gab es 11, 4 Prozent Analphabeten und heute nur noch 6, 3 Prozent.
Das von Bolsa Familia umverteilte Geld kommt der ganzen Wirtschaft zugute. Die steigenden Minimallöhne und die vielen neuen Arbeitsplätze führte zu einer wirtschaftlichen Einbindung der Armen und einer sozialen Umschichtung. 2003 rechneten rund 55 Prozent zu den zwei untersten Einkommensschichten und heute nur noch 37 Prozent. 2003 machte rund ein Drittel der Bevölkerung den unteren Mittelstand aus und heute mehr als 50 Prozent.
Der zunehmende Wohlstand sorgte außerdem für einen Rückgang der Fertilitätsrate auf 1, 86 2010, ein historisches Tief. Das brasilianische Bevölkerungswachstum wird bald stagnieren.
Brasilien, heute ein Vorzeigemodell der Hunger- und Armutsbekämpfung steht an der Spitze des Rankings der Hilfsorganisation Action Aid. Josè Graziano da Silva, ein Brasilianer, gelang die Wahl an die Spitze der Uno Organisation für Ernährung und Landwirtschaft. Das Welternährungsprogramm der Uno weihte gemeinsam mit der brasilanischen Regierung ein weltweites Kompetenzzentrum zur Hunger- und Armutsbekämpfung ein.
Im November 2011 fand in Salkvador da Bahia die 4. Nationale Konferenz zur Nahrungsmittelsicherheit und Ernährung statt. Man diskutierte Themen wie Nahrungsmittelpreise, Landrechte oder Klimaerwärmung. Im Zentrum der Debatten stand die Frage der gesetzlichen Verankerung des Rechts auf Nahrung und der Schaffung der Grundlagen für ein landesweites Versorgungssystem.
Dieser Plan mit einer Einbindung von 19 Ministerien ist eine der letzten Initiativen des früheren Präsidenten Lula da Silva. Seine Nachfolgerin Dilma Rousseff will bis 2014, dem Ende ihrer Amtszeit, die letzten 16 Millionen in extremer Armut lebenden Brasilianer aus diesem Zustand befreien. Sie ließ bereits ein von der Weltbank mit 8 Mrd. Dollar unterstütztes Programm zur Ausweitung der Sozialhilfe verabschieden. Ein Gelingen des Sieges gegen die Armut bleibt abzuwarten.
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