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Montag, 21. Februar 2011

Argentinien Geschichte Instabilität und Diktaturen

Wie ich gestern geschrieben habe, setze ich den Abriss der Geschichte Argentiniens fort.

Instabilität und Diktaturen

In der Folgezeit wechselten sich in Argentinien wirtschaftliche Höhen und Tiefen ab. Bis 1983 herrschte eine Epoche der Instabilität, in der abwechselnd zivile und Militär - regierungen das Land beherrschten. Das antiperonistische Militär putschte die demokratisch gewählten Regierungen Frondizis (1958 - 1963) und Illias (1963 - 1966) aus dem Amt. Von 1966 bis 1973 regierte unter Ongania und seinen Nachfolgern eine rechtskonservative Militärdiktatur, die nach Protesten der Bevölkerung 1973 aufgeben musste. Das Land kehrte kurzzeitig zur Demokratie zurück. Der nach wie vor populäre Peròn reiste wieder ein und erhielt erneut die Macht.
In seiner zweiten Amtszeit von Oktober 1973 bis zu seinem Tod am 01.07.1974 beruhigten sich die politischen und wirtschaftlichen Verhältnisse Argentiniens geringfügig. Nach seinem Tod betrieb die peronistische Partei die Einsetzung seiner dritten Ehefrau, Isabel Peròn, genannt "Isabelita", einer ehemaligen Nachtclubtänzerin, als Präsidentin.  Das Amt überforderte sie. Sie war lediglich eine Marionette von rechten Peronisten wie Josè Lòpez Rega, der mit der Alianza Anticommunista Argentina schon unter Peròn eine paramilitärische Gruppe eingesetzt hatte, um Regimegegner zu foltern und zu ermorden. Die wirtschaftlichen Probleme vermehrten sich; es entstand eine starke Inflation. Mehrere aktive Guerillagruppen wie die Montoneros entführten Leute wie den für Mercedes - Benz den Standort Argentinien betreuenden Produktionsleiter Heinrich Metz im Oktober 1975, der später nach einer Lösegeldzahlung von mehreren Millionen US - Dollar wieder frei kam. Seine Entführung führte zu einer Fluchtwelle unter den für deutsche Unternehmen in Argentinien tätigen Immigranten.
1976 putschte das Militär erneut und errichtete unter Führung von Jorge Rafael Videla eine Militärdiktatur unter dem Namen "Prozess der Nationalen Reorganisation", geleitet von einer Junta aus drei Mitgliedern, die mit offenem Staatsterror regierten. Die Zeit zwischen 1976 und 1978 heißt "Schmutziger Krieg". Unter den geschätzten 30.000 "Desaparcidos" (Verschwundenen) waren auch zahlreiche Studenten, deren Mütter auf dem Platz vor dem regierungsgebäude demonstrierten. Sie gingen in die Geschichte ein, "Madres de Plaza de Mayo", und wollten Kenntnis über den Verbleib ihrer Kinder erhalten. Eine weitere Organisation, Abuelas de Plaza de Mayo, "Großmütter der Plaza de Mayo", bezweckt es, die in der Gefangenschaft geborenen und illegal zur Adoption frei gegebenen Kinder der Verschwundenen in ihre Familie zurückzuführen. In späteren Gerichtsverfahren gegen verantwortliche Militärs, die nur mit Mühe eingeleitet werden konnten, stellte sich heraus, dass die militärischen Machthaber zahlreiche Menschen auf grausame Weise beseitigt hatten : Sie hatten Opfer betäubt und über dem Rio de la Plata oder dem offenen Meer aus dem Flugzeug geworfen. Sogar einige der Ermordeten haben sie Medizinstudenten als Objekte zum Sezieren vorgelegt.
Wegen Souveränitätsstreitigkeiten über die Inseln an der Spitze Südamerikas beauftragten Argentinien und Chile 1971 ein internationales Schiedsgericht damit, eine bindende Interpretation des Grenzvertrages von 1881 über den Beagle - Konflikt zu treffen.  Das Schiedsgericht urteilte 1977, dass alle Inseln südlich der Isla Grande de Tierra del Fuego zu Chile gehören. Argentinien erkannte das Urteil 1978 nicht an und bereitete die militärische Einnahme der Inseln vor. Der Papst konnte die Einnahme durch seine Vermittlung verhindern. Nach der Demokratisierung unterwarf sich Argentinien nach Austausch von Navigationsrechten und einer maritimen Grenzverschiebung nach Westen im Freundschafts- und Friedensvertrag von 1984 mit Chile dem Schiedsspruch.
An dieser Stelle endet für heute der Abriss der Geschichte Argentiniens. Morgen setze ich ihn mit dem Kapitel das demokratische Argentinien ab 1983.

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